Freunde finden

Freundschaften und Autismus können ein schwieriges Thema sein. Das hängt – wie bei allen Menschen – ein wenig vom Alter ab und von den sozialen Strukturen, in denen man aufwächst.

Ein wichtiger Punkt ist aber meiner Meinung nach besonders bei autistischen Kindern, dass viel durch nachahmen gelernt wird. Bzw wird zunächst nicht gelernt, sondern einfach der sichtbare Teil kopiert, ohne den sozialen Teil zu verstehen. Denn das Verständnis für soziale Strukturen kommt erst sehr viel später. Ich behaupte von mir selbst, erst so mit Anfang/Mitte 20 ein paar soziale Strukturen – größtenteils nachträglich – verstanden zu haben.

Freundschaften im Kindesalter waren zumindest bei mir ein nicht ganz einfaches Thema. Es haben allerdings alle auf den Umstand geschoben, dass in meiner Straße nur Jungs in meinem Alter wohnten. Rückblickend betrachtet war das aber eher ein Glücksfall. Mit Mädchen konnte ich schon immer schlecht spielen. Ich konnte einfach nichts mit den Spielideen anfangen. Haare frisieren hat mich nicht interessiert und „Vater-Mutter-Kind“ fand ich insofern immer schwierig, weil ich nicht wusste, was ich tun sollte. Dass ich nicht so wie andere funktioniere, habe ich dabei immer besonders deutlich gespürt. Ich habe mir dann damit beholfen, den Vater zu spielen, der auf der Arbeit war und erst zum Abendessen nach Hause kam.

Im übrigen wohnte auch ein Mädchen meines Alters (1-2 Jahre jünger vielleicht) die Straße runter. Ich war dort auch mal zum spielen. Hat wohl aber nicht so gut funktioniert. Mich haben auch eher die Abläufe auf deren Bauernhof interessiert.

Mit den Jungs zu spielen war einfacher. Die Erwartungen an Mädchen waren ihrerseits eher gering und es waren auch eher simple Spiele. Rollenspiele wie „Mammut-Jäger“ waren einfacher durchschaubar und eher auf das „Technische“ denn auf das Soziale fokussiert. Und explizit bei „Mammut-Jäger“ kam zumeist eh die Ansage, dass die Frauen ja nicht mit zur Jagd gingen, sondern sich um das Lager kümmern würden. Anfang der 1980er eben… Und historisch durchaus fundiert.

Von mir selbst aus fiel mir das mit den Freundschaften überhaupt finden gar nicht leicht. An sich ergaben sich diese zumeist aus Freundschaften bzw Bekanntschaften meiner Eltern und den sozialen Fähigkeiten deren Kinder heraus. Ich musste immer ein bisschen geschubst werden. Am einfachsten fiel es mir schon damals, wenn ich nicht nur die Kinder, sondern insbesondere auch die Eltern/Familien kannte. Je mehr dies der Fall war, desto besser kam ich auch beim Spielen klar.

Auch nach dem Grundschulalter, an dessen Ende ein Umzug ca. 90 km weiter weg anstand, wurde es nicht einfacher. Ich kannte eigentlich nur die Leute aus der Kirchengemeinde. Dort fiel mir das Anschluss finden leicht, da das Drumherum genauso war, wie in den anderen Gemeinden, die ich kannte. Außerdem lernte ich dort wieder die ganze Familie kennen und das mit meiner Familie dabei.

In der Schule bekam ich nur schwer Anschluss. Im Nachhinein betrachtet entweder zu Leuten, die selbst Außenseiter waren oder zu welchen, die äußerst sozialkompetent waren. Für beides könnte ich Beispiele liefern und zwar nicht nur für die 5./6. Klasse, sondern auch für die 7. Klasse (wieder andere Schule) und die Oberstufe (ebenfalls andere Schule).

In der Zeit zwischen 11/12 und 17 Jahren hatte ich zwar während der Unterrichtszeit durchaus auch mal Kontakt mit anderen Mitschülern, aber auch keinen intensiven. Nachmittags eher selten. Meine Freundschaften bestanden in durch Gemeindeleben und Musik zustande gekommenen häufigen Begegnungen und waren allesamt zu deutlich älteren Menschen, als ich es war.

Für die Oberstufe musste ich – wie bereits erwähnt – seinerzeit die Schule wechseln und es ergab sich wiederum neu eine Möglichkeit, neue Freunde zu finden. Auch hier fiel es mir nicht leicht. Es dauerte eine gutes Jahr, bis ich echten Anschluss hatte. Innerhalb dieses Jahres hatte ich losen Kontakt zu meinem Tischnachbarn aus dem Französisch-Kurs, der mich in gemeinsamen Freistunden mit in einen Jugendtreff nahm. Über ihn lernte ich dann später auch fast alle meine anderen Freunde kennen.

Auch hier war es aber überwiegend die Initiative und soziale Intelligenz der anderen, dass der Kontakt zustande kam.

Auch heute noch gelingt mir das Anschluss finden am leichtesten, wenn ich mich sicher fühle (durch eine befreundete/familiäre Begleitung, durch Fachwissen o.ä.) und der Andere deutlich ein Interesse am Kontakt signalisiert. Also so deutlich, dass selbst ich das verstehen kann.

Was gar nicht geht ist Smalltalk. Ich kann das zwar irgendwie, aber ich tue mich schwer und es ermüdet mich sehr.

Ich finde es auch interessant zu beobachten, dass ich inzwischen zwar durchaus mit gleichaltrigen Menschen in Kontakt kommen kann (unter den oben genannten Voraussetzungen), zu Jüngeren (also >9 Jahre jünger) allerdings irgendwie auch nicht so recht. Ältere sind schon wie damals kein Problem. Allerdings kann es sein, dass das allen anderen auch so geht und es eher eine Besonderheit des Alters, denn des Autismus ist.

Ich halte fest: Freunde finden gelingt mir alleine nicht – weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit.

Trotzdem sind Freundschaften auch (vielleicht gerade?) für Autisten wichtig – was viele „Normalos“ sich zunächst oft nicht vorstellen können. Vielleicht sehen das auch nicht alle Autisten unmittelbar so, aber evtl. liegt es daran, dass sie beim Finden von Freundschaften eben auch Probleme haben und daher gar nicht wissen, was sie verpassen.

Aber was das ist – dazu mehr in einem späteren Beitrag.

Backen mit Sauerteig

Wie bereits einmal erwähnt, muss ich dank der Unverträglichkeiten viele Dinge selbst herstellen. Dazu gehört auch Backwerk aller Art. Mürbeteige funktionieren ohne Backtriebmittel, sodass Quiches, Heidesand-Kekse und diverse Obstkuchen mit Mürbeteig kein Problem darstellen. Aber Brot, Pizza, Butterzöpfe, Marmorkuchen etc braucht nun einmal ein Triebmittel. Heute geht es daher um Backen mit Sauerteig.

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März-Rückblick

Schon ist wieder ein Viertel des laufenden Jahres um…

Es ist Wahnsinn, wie schnell das geht, obwohl zur Zeit ja Events und Action Fehlanzeige sind.

Der März war daher auch eher „lahm“ – was ganz anders geplant war. Ursprünglich wollten wir nämlich den bis 31.03. zu nehmen den Resturlaub meines Mannes nutzen, um zu verreisen. Ursprünglich war Ostsee geplant, dann kam mir aber im Januar die Idee, wir könnten mal wieder etwas mehr Action vertragen und mit der Bahn nach Wien fahren.

Letzteres haben wir aufgrund der sich (für mich zumindest) bereits abzeichnenden Entwicklung bereits Ende Februar wieder storniert. Dummerweise für die Bahnstornierung zu früh – mit Corona hätte es schlussendlich 100% Erstattung gegeben. Sei’s drum.

Die Ostsee hatte ich als Option noch in der Hinterhand und hatte zunächst noch etwas Hoffnung, aber in der ersten Märzwoche habe ich auch dieses Vorhaben begraben. Meine Bedenken waren, dass man da irgendwie strandet, o.ä. Das wäre rückblickend betrachtet nicht passiert, aber wir wären quasi aus MV „ausgewiesen“ worden. Insofern war es gut, nicht zu fahren.

Die Zeit hat mein Mann dann mit Gartenarbeit, Sport, ausruhen und kochen verbracht, während mein Tagesablauf sich nicht sonderlich vom normalen Alltag unterschied.

Seit der letzten Märzwoche bin ich – als Mitglied der Corona-Risikogruppe (wegen Asthma) – nun bis auf 1 Mal wöchentliche Lymphdrainage, ohne die es nicht geht, und das 3 Mal wöchentliche Joggen auch komplett zu Hause. Das Thema „Lymphdrainage“ führte auch noch zum Aufreger des Monats: „meine“ Physiopraxis, die ich schon 3,5 Jahre für Lymphdrainage und Ergotherapie aufsuche, hat zunächst einen Termin bei meiner Therapeutin wegen Kind krank abgesagt und mich auf die Warteliste bei einem anderen Therapeuten gesetzt. Lymphdrainage ist schließlich schlecht aufzuschieben. Leider hat sich dann niemand mehr gemeldet – was ungewöhnlich ist, da normalerweise immer ein Ersatztermin gefunden wird. Ich stellte dann fest, dass die Praxis einfach den Rest der Woche (3-4 Tage schätze ich) geschlossen wurde. Also keine Lymphdrainage. Das war schon unschön.

Die Woche drauf galten dann schon die ganzen Beschränkungen. Ich wusste aber von anderen Praxen, dass solch unaufschiebbare Behandlungen fortgeführt werden durften und die anderen dies auch taten. Nur ich bekam wieder eine Absage „wir dürfen nicht arbeiten“. Keine Infos zu eben den Ausnahmen oder dazu, wann das geklärt ist.

Also musste ich mit dem Gesundheitsamt, der Arztpraxis und einer anderen Physiopraxis telefonieren, um Informationen, Termine und Verordnungen zu bekommen. Ziemlich uncool war es, dass ich dafür extra noch einmal außerplanmäßig zum Doc musste, um eine neue Verordnung und eine Bescheinigung über die Unaufschiebbarkeit zu holen. Sowas finde ziemlich konträr zur aktuellen Lage.

Nach 12 Tagen ohne Lymphdrainage konnte ich dann endlich wieder „gelympht“ werden. Welche Wohltat! Der Arm war optisch gar nicht soooo dick, aber er spannte ordentlich und fühlte sich an, wie Blei. Ebenso die Seite.

Nach 3,5 Jahren musste ich nun also zwangsläufig meine Physiopraxis wechseln. Da die Verordnung über 20 Behandlungen geht und ich zunächst bis Monatsende erst einmal das absolute Minimum mit 1 Mal pro Woche „gebucht“ habe, ist das eine entsprechend lange Zeit.

Ich vermisse „meine“ Physiotherapeutin 🙁

Seit der letzten Märzwoche haben wir nun einen „Einkaufsservice“ für unsere Eltern errichtet. Die sind allesamt wegen verschiedener Leiden und natürlich aufgrund des Alters gefährdet. Wir konnten schlussendlich alle 4 davon überzeugen, wirklich Zuhause zu bleiben – Spaziergänge alleine mal ausgenommen. Ich sammle nun bis Mitte der Woche die Einkaufszettel digital ein und mache aus 3 Zetteln einen. Mein Mann darf dann das Einkaufen erledigen. Er ist der einzige von uns 6, der kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf hat.

Nach dem Rieseneinkauf wird dann alles aufgeteilt und jeweils zu den Eltern gefahren. Da freue ich mich dann, dass ich auch mal rauskomme – und wenn es nur zum Autofahren ist. Die Einkaufsübergabe erfolgt natürlich Corona-sicher mit Abstand und draußen, wie auch das Schwätzchen.

Ja. Ist jetzt alles nicht spektakulär, aber doch ungewöhnlich. Noch. Ich befürchte ja, dass wir Risikogruppen noch recht lange festsitzen werden…

Wenngleich sich für mich nicht so dramatisch viel geändert hat, fehlt es mir doch, wenigstens jeden 2. Tag mal unter andere Menschen zu kommen und mal was anderes zu sehen.

Ich nehme aber an, dass es dafür später umso wertvoller sein wird.

Bleibt alle schön gesund da draußen, hört auf die Experten und geht keine Risiken ein!