Verabschiedung einer Brust

Einige haben sich möglicherweise beim Lesen des Artikels „Zwischen Diagnose und OP“ gefragt, wie man eine Brust verabschiedet.

Das habe ich mich damals auch gefragt, aber es war mir schnell klar, dass ich die Zeit nutzen wollte und nicht einfach nur ins Krankenhaus gehen und mich auf den OP-Tisch legen wollte.

Im großen weiten Internet gab es Berichte einiger Frauen, die diese Erfahrung auch machten und dann Parties schmissen, usw. Eine Party schien mir irgendwie seltsam und unangebracht und hätte mir sicherlich von einzuladenen Personen auch nur eine hochgezogene Augenbraue und Fragezeichen im Blick eingebracht.

Ich entschied mich daher für Folgendes:

  • Mein (damals noch) Freund und ich machten mittels Selbstauslöser ein Foto von uns, auf dem er mir eines der letzten Male von hinten an beide Brüste fasst. Ein als Bleistiftzeichnung bearbeitetes Exemplar des Bildes auf Leinwand hängt über unserem Bett.
  • Wir machten einen Gipsabdruck der „bösen“ Brust und einen von beiden Brüsten zusammen. Natürlich wurde auch diese Aktion fotografisch festgehalten.

Wenn man weiß, was kommt, ist das schon ein seltsames Gefühl, aber ich war froh, dass ich die Gelegenheit dazu hatte. Anderen Menschen, die möglicherweise sogar eine Extremität verlieren, evtl. plötzlich durch einen Verkehrsunfall, haben die Möglichkeit nicht. Im schlimmsten Fall wird’s duster beim Aufprall und wenn man wieder aufwacht, fehlt ein Arm oder Bein. Das ist viel unheimlicher und eine angemessene Verabschiedung vor dem Unausweichlichen wäre sicherlich besser.

Im Übrigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass insbesondere die männliche Ärzteschaft, vor allem die Gynäkologen, überhaupt nicht verstehen konnten, dass ich meine Brust quasi „ersatzlos“ hergeben wollte. „Zu einer Frau gehören doch aber Brüste“ und „wir können Ihnen eine ganz schöne neue Brust machen“ hörte man da. Dass ich die Brust nur als „verzichtbares Fettgewebe“ bezeichnete schockierte sie geradezu.

Möglicherweise geht es anderen Frauen anders, aber ich definiere mich (auch immer noch nicht) über meine Brust/Brüste. Ich fühle mich nicht weniger weiblich und optisch sieht man es mit der richtigen Epithese auch nicht. Wo läuft man schon oben ohne rum, außer mal Zuhause oder im Schwimmbad in der Dusche?

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich keine besonders üppige Oberweite habe.

Auch wenn der Gipsabdruck hier nur rumliegt und einstaubt, bin ich trotzdem froh, ihn zu haben. Und das Bild – das ist sowieso toll. Wegen der Personen, nicht wegen der Brüste…

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