Krank durch Überforderung

Je nach Ausprägung des Autismus‘ kommen in Situationen, die besonders herausfordernd sind, zuweilen auch körperliche…

… Symptome zum Tragen. Man wird einfach krank.

Besonders herausfordernd sind für mich zum einen Situationen, die ich nicht einschätzen kann bzw. bei denen ich nicht weiß, was auf mich zukommt.

Losgegangen ist das schon als kleines Kind: fuhren wir z.B. Samstag in den Urlaub, ging bei mir spätestens Freitag das Übergeben los (was sich dann Samstag im Auto fortsetzte, weil mir im Auto generell und leider heute noch schlecht wird). Manchmal gab es auch Durchfall – das ist dann besonders ungünstig, wenn man stundenlang im Auto fahren soll. Allerdings waren diese Situationen einfach zu beheben, denn mir einfach nicht zu sagen, wann wir in den Urlaub fahren, sondern mich nachts vom Bett ins Auto verfrachten und loszufahren half.

Als ich älter wurde, war das schon nicht mehr so einfach. Magen-Darm-Probleme in Form von Übergeben oder Durchfall, hatte ich öfter:

  • Neue Schule anschauen (Probetag)
  • Als Neuling zu Instrumentalprobe
  • „Auftritte“ mit dem Instrumentalkreis
  • Ausflüge mit der Jugendgruppe
  • Erster Schultag an neuer Schule (11. Klasse wohlgemerkt schon)
  • größere Feiern, deren genaue Planung ich nicht kenne

Es gesellte sich als Jugendliche dann auch noch eine Essstörung vor derartigen Ereignissen dazu. Ich habe am Vortag plus an dem Tag vor dem Ereignis nichts oder nur sehr wenig gegessen, litt dann je näher das Ereignis kam unter Übelkeit und musste mich dann eben auch oft übergeben. Sobald alles vorbei war, ging es mir wieder gut – bei Ausflügen meist schon während dessen wieder.

Einige Ereignisse habe ich dann auch tatsächlich verpasst, weil ich krank war. Natürlich sind die Symptome schlagartig weg gewesen, sobald die Absage raus war und es kein Zurück mehr gab.

Das Grundprinzip ist leider bis heute geblieben – sobald etwas ansteht, wozu ich mir kein Bild/keine Vorstellung im Kopf erzeugen kann, was aber als Ereignis für mich von Bedeutung ist, werde ich krank. Zumeist ist es allerdings nur noch der Durchfall.

Inzwischen habe ich aufgrund meines fortgeschrittenen Alters auch schon genügend Situationen erlebt, sodass ich nun besser in der Lage bin, mir diese vorzustellen. Daher hat sich die Problematik zwar nicht vollständig verwachsen, aber kommt nur noch äußerst selten vor.

Magenprobleme in Form von Gastritis oder auch Reizdarm bekomme ich allerdings noch in Situationen, die mich emotional überfordern, wie beispielsweise

  • als meine Cousine plötzlich verstarb und die Beerdigung anstand
  • als mein Mann tagelang mit starken Schmerzen weinend auf dem Sofa lag
  • als die Kaninchen krank wurden und wir entscheiden mussten, ob und wann sie eingeschläfert werden sollen
  • als ich beruflich überfordert war, aber mein Ehrgeiz zunächst stärker war

Wie ich heutzutage damit umgehe, ist unterschiedlich. Es hängt davon ab, ob es mir ansonsten gut geht, wie viele weitere Termine anliegen und ob sich die Situation folgenlos/folgenarm vermeiden lässt. Manchen Dingen kann man aus dem Weg gehen, bei anderen ist es quasi eine Kosten-Nutzen-Rechnung à la „Wie groß wäre das Bedauern, nicht hinzugehen gegenüber den körperlichen Beschwerden und dem Stress?“

Vermutlich ist dies etwas, was man immer wieder aufs Neue für sich bewerten muss. Nur so kann man immer weiter daran arbeiten, achtsam mit sich selbst umzugehen.

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