Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter

Vielleicht hat sich der eine oder die andere schon gefragt, wie sich Autismus überhaupt im Erwachsenenalter…

… diagnostizieren lässt. Oder ihm/ihr wurde gesagt, dass eine Diagnose nur im Kindesalter gemacht werden kann.

Wer diagnostiziert Autismus überhaupt?

Grundsätzlich erfolgt die Diagnose durch einen Psychiater. Bei Kindern und Jugendlichen ist es oft ein Kinder- und Jugendpsychiater, zumeist angegliedert an eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder an ein SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum).  Letzteres dürfte die häufigere Diagnosestelle bei Kindern und Jugendlichen sein. Allerdings endet deren Zuständigkeit tatsächlich mit dem 18. Geburtstag.

Bei Erwachsenen ist ein „normaler“ Psychiater der erste Ansprechpartner.  Diese arbeiten nicht nur als selbständige, niedergelassene Ärzte, sondern auch in Autismus-Ambulanzen mit speziellen Sprechstunden für Erwachsene. Diese Autismus-Ambulanzen sind oft an Unikliniken angegliedert.
Mit einer Überweisung vom Hausarzt ist man dort an der richtigen Adresse. Allerdings sind die Wartezeiten oftmals extrem (bis zu 2 Jahre).

Außer Psychiatern gibt es auch noch Psychologen mit einer entsprechenden Ausbildung und Spezialisierung, die eine Diagnose stellen können. Die Autismus-Ambulanzen außerhalb von Kliniken sowie Autismus Zentren bieten sowas oft an.

Kostet die Diagnose etwas?

Das hängt ein bisschen davon ab, ob man mit einer Überweisung in einer Autismus-Ambulanz  diagnostiziert wird, oder in einem Autismus-Zentrum / bei einem Psychologen. Als Faustregel kann man sagen: Psychiater (= Arzt) zahlt die Krankenkasse, alles andere ist privat zu zahlen. Die Kosten belaufen sich nach allem, was ich bisher gehört und gelesen habe auf ca. 250-600€.

Ist eine offizielle Diagnose bei einem Arzt „besser“?

Es kommt darauf an, warum man eine Diagnose haben will. Sobald man damit zu einem Psychiater geht, wird das Ganze offiziell für das Gesundheitswesen. Es gibt Berichte an den Hausarzt, die Krankenkasse bekommt es mit, usw.
Möchte man also nur für sich Gewissheit haben und strebt nicht den Grad der Behinderung, einen Pflegegrad, eine Rente o.ä. an, ist evtl. die privat bezahlte Diagnose sinnvoller. Man kann dann selbst entscheiden, wem man warum davon erzählt.

Sobald man die Diagnose benötigt für weitere Hilfen des Sozialsystems, ist eine ärztliche Diagnose durch einen Psychiater immer die bessere Wahl. Ämter aller Art erkennen diese eher an.

Wie läuft die Diagnose ab?

Das kann sehr unterschiedlich sein. Von „ein kurzes Gespräch plus ein Stapel Fragebögen“ bis hin zu mehreren mehrstündigen Gesprächen plus Tests habe ich da schon alles mögliche gehört.
Grundsätzlich greift die Diagnose aber hauptsächlich auf die Zeit im Alter von ungefähr 5 Jahren zurück. D.h., dass eine Diagnose besser gestellt werden kann, wenn Eltern oder Geschwister oder sonstige Personen, die einen bereits mit 5 Jahren kannten, greifbar sind, um Fragen zu beantworten. Anderenfalls ist eine Diagnose zwar trotzdem möglich, aber nicht unbedingt einfach. Die Befragung der „Eltern“ (o.ä.) kann persönlich oder mittels Fragebögen erfolgen.

Darüber hinaus gibt es einen Standard Test namens ADOS. Dieser ist modular aufgebaut und es gibt auch ein Modul für Erwachsene.

Bei Psychiatern – die ja oft auch Neurologen sind – wird gerne noch alles Neurologische ausgeschlossen. Mit was für Tests, weiß ich aber nicht.

Und wie lief das ganze bei mir ab?

Ich war 2013 mit meiner Mutter im Schlepptau als Selbstzahler in einer Autismus-Ambulanz der Lebenshilfe. Es gab ein Gespräch, warum ich überhaupt da bin, dann eine „Frage-Antwort-Runde“ die Zeit mit ca. 5 Jahren betreffend, die hauptsächlich meine Mutter beantwortet hat. Ich meine, das was der ADI-R Test. Anschließend gab es für mich ein paar Tests, bei denen ich beobachtet wurde. Konkret erinnere ich mich an Bilder bzw. Bildergeschichten, zu denen ich erzählen sollte, was dort passiert und was die einzelnen Personen sagen könnten. Oder warum sie sich wohl freuen, usw. Desweiteren bekam ich ein paar Figuren, und sollte damit eine Art Rollenspiel erfinden. So oder so ähnlich.
Ich meine, es war noch irgendwas (irgendwas mit Sortieren??) aber mir sind die negativen Dinge in Erinnerung geblieben. Ich hasse Rollenspiele und Geschichten erfinden. Ich habe sowas schon immer gehasst.

Das Ergebnis

Die Ergebnisse der Befragungen werden ausgewertet. Da gibt es ein System mit Punktzahlen, usw. Ich bin kein Arzt oder Psychologe, daher kann ich da wenig Detailliertes zu sagen.
Jedenfalls erreicht man bei den meisten Diagnoseverfahren einen in Zahlen ausgedrückten Wert. Dazu gibt es eine Art Schwellenwert, den sogenannten Cut-Off Wert. Mit diesem wird die erzielte Punktzahl verglichen und je nachdem, ob man darüber oder darunter liegt (und auch wieviel drüber oder drunter) ist es ein Hinweis auf eine Autismus-Spektrumsstörung, oder eben nicht.
Das Ganze erfolgt in verschiedenen Bereichen: Sozialverhalten, Kommunikation, Sprache, usw.

Je nachdem wie sich das insgesamt darstellt, wird die Interpretation des Diagnostiker ausfallen – natürlich auch auf Basis des geführten Gesprächs.

Fazit

Man sollte sich vorab darüber klar werden, warum genau man eine Diagnose anstrebt. Im zweiten Schritt ist die Frage „wie dringend ist es?“  zu beantworten. Eine privat gezahlte Diagnose kann helfen, die Wartezeit bei einem Psychiater / einer Klinik zu verkürzen.
Und wie immer gilt: Es gibt immer Menschen, die ihren Beruf verfehlt haben oder die einem sonst wie nicht liegen. Ist das Ergebnis zweifelhaft, gönnt euch eine zweite Meinung.

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