Die ersten Folgeschäden?

Inzwischen sind fast 4 Jahre rum, seit die „Krebsgeschichte“ begann. Und inzwischen verstehe ich …

…auch immer mehr, warum es viele als eine Art Leben 2.0 bezeichnen.

Das Leben, wie es vorher war, kommt nicht zurück. Die Therapien gehen vielleicht mehr oder weniger vorbei (es gibt ja Patientinnen, die die Anti-Hormontherapie abbrechen), aber einige Auswirkungen bleiben.

Natürlich gibt es – bei Fortführung der Anti-Hormontherapie – noch einmal andere, zusätzliche Schwierigkeiten, aber selbst unabhängig davon merke ich erste Probleme, die ich auf die Chemotherapie und auf das Lymphödem zurückführe.

Das Lymphödem selber ist natürlich auch schon ein Folgeschaden. Allerdings hat das oft mit ruckartigem Ziehen verbundene Anziehen der Armstrümpfe meiner Schulter nicht gut getan. Sie ist verkalkt – und das ziemlich stark. Die OP-bedingte Verkürzung des Brustmuskels und dadurch entstandene Fehlhaltung hat sicher auch eine Rolle gespielt.

Die Problematik: Schmerzmittel vertrage ich schlecht bis gar nicht und Spritzen oder OP sind kontraindiziert, da ich in dem Gebiet keine Lymphknoten mehr habe.

Ein weiteres Phänomen, das ich auf die Chemotherapien zurückführe, beobachte ich seit dem Frühjahr: meine Wundheilung hat sich extrem verlangsamt. Insbesondere die der obersten Hautschicht. Im April hatte ich eine Wunde zwischen Nagel und Nagelhaut am Finger der Lymph-Hand. Hier ist ohnehin Vorsicht geboten und dass eine Heilung hier länger dauert ist klar. Bis die feine Haut, die das Nagelbett nach vorne hin unterhalb des Nagels abdichtet, vollständig geschlossen war, dauerte es 6-7 Wochen, in denen ich wirklich experimentieren und auch Rückschläge hinnehmen musste.

Nun habe ich allerdings an der linken Hand eine sehr langsame Heilung. Es handelt sich um eine Verbrennung der Kategorie 2 (vermutlich sogar 2b). Betroffen ist der Zeigefinger mit einer Wunde von ca. 5-6mm Durchmesser. Diese Verbrennung ist nun 7 Wochen her – und von der obersten Hautschicht ist noch nichts zu sehen. Der Finger ist unbenutzbar, da Berührungen an der Stelle von äußerst unangenehm bis schmerzhaft reichen. Nur mit entsprechender „Abdeckung“ geht es. Da ich ähnlich lange Heilungen bereits bei blauen Flecken, Kratzern u.ä. in letzter Zeit beobachte, also unabhängig vom „Lymph-Arm“, denke ich, dass mein Körper da insgesamt ein Problem hat.

Sind die aufgeführten Beispiele nun gesichert Folgeschäden der Krebs-Akutbehandlung? Nein. Gesichert ist hier gar nichts und wird es auch nicht werden. Der menschliche Körper ist keine Maschine, bei der man durch Zerlegen und neu zusammensetzen genaue Ursache-Wirkung-Beziehungen herstellen kann. Man kann also nur Annahmen treffen, zumal ja bei einem Körper auch viele weitere Aspekte zum Tragen kommen, wie der allgemeine Lebenswandel, die Ernährung, die ausgeübten Hobbies, etc.

Der Orthopäde drückte es auf meine Frage, ob das von den Armstrümpfen kommen kann, so aus: „Auf eine Frage mit „kann“ muss ich immer mit „ja“ antworten, denn es können so viele Dinge eine Rolle spielen, dass „kann“ immer richtig ist. Ob es schlussendlich so ist, werden wir anschließend nicht klären können.“

Ähnliches werde ich vermutlich vom Hausarzt und meiner Onkogyn zum Thema Wundheilung und Chemo hören. Da ist es evtl sogar ein bisschen eindeutiger, aber grundsätzlich kann man im medizinischen Bereich kaum sicher sein. Wer mal Dr. House gesehen hat, weiß, was ich meine. Dort ist bereits die Differentialdiagnose ein lustiges Ratespiel, was den Umkehrschluss zulässt, dass viele Gründe, Begleitumstände und auch Symptome möglich sind für eine Erkrankung.

Ich persönlich sehe da sehr wohl Zusammenhänge und werde beides als Folgeschäden betrachten. Ändern wird sich allerdings auch dann nichts…

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