Nebenwirkungen der Anti-Hormontherapie

Die Anti-Hormontherapie wird häufig unterschätzt – und das in mehrfacher Hinsicht.

Zum Einen wird sie ob ihrer Bedeutung in der Krebstherapie unterschätzt. Gerade bei hormonabhängigen Tumoren ist die Anti-Hormontherapie mehr als nur die halbe Miete und keinesfalls weniger wichtig, als OP oder Chemotherapie oder Bestrahlung. Letztere wirken auch nur in dem Moment. Alles, was sich zu dem Zeitpunkt gut versteckt im Körper, wird auch nicht getroffen. Ernährt sich ein Tumor von Hormonen und hat sich gut versteckt, könnte er ohne Anti-Hormontherapie danach wieder schön wachsen. Deshalb ist die Anti-Hormontherapie alles andere als nur eine Art „Zugabe“.

Die andere Seite des Unterschätzens ist die vermeintliche Harmlosigkeit der Anti-Hormontherapie. Je nachdem, ob man prä- oder postmenopausal ist, ob metastasiert oder nicht, etc gibt es 2 verschiedene Möglichkeiten der Anti-Hormontherapie: Antiöstrogene oder Aromatasehemmer.

Antiöstrogene besetzen die Rezeptoren hormonabhängiger Tumorzellen, an die sonst die Östrogene andocken würden.

Aromatasehemmer verhindern die Östrogenproduktion im Muskel- und Fettgewebe, indem andere Stoffe sich an das Enzym Aromatase heftet und diese damit deaktivieren. Aromatasehemmer werden vorwiegend postmenopausal eingesetzt.

Zusätzlich gibt es für prämenopausale Frauen oft auch noch GnRH-Analoga. Vereinfacht gesagt verhindern sie die Arbeit der Eierstöcke, indem sie im Gehirn das Signal dafür ausschalten.

Alle diese Mittel haben Nebenwirkungen. Natürlich treten die weder alle immer auf, noch gleichzeitig, noch sofort. Trotzdem liegt zumeist in der Länge die Last und auch eine Kombination vermeintlich leichter Nebenwirkungen kann sehr belastend sein und zermürben, je länger es anhält. Und genau das wird oft unterschätzt. Genauso wie auch unterschätzt wird, was es mit einem macht, wenn man die Risiken und Nebenwirkungen kennt.

Und damit ihr euch besser vorstellen könnt, wovon ich rede, hier die aufgelisteten Nebenwirkungen meiner 2 Medikamente.

Beginnen wir mit Tamoxifen:

  • Wasseransammlung
  • Übelkeit
  • Hautausschlag
  • Gefäßentzündung mit Hautablösung
  • Lokaler Gewebezerfall der Haut/blasigen Ablösungen
  • Autoimmune Hauterkrankung mit tiefen Blasen
  • Vaginaler Ausfluss
  • Menstruationsstörung
  • Scheidenblutung
  • Hitzewallung
  • Müdigkeit
  • Blutarmut
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Schläfrigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Störung des Empfindens und Wahrnehmens (Gefühlsstörung)
  • Missempfindungen
  • Störung des Geschmacksempfindens
  • Sehverschlechterung
  • Grauer Star
  • Hornhauttrübung am Auge
  • Netzhauterkrankung am Auge
  • Hirndurchblutungsstörung mit Blutgefäßverengung
  • Muskelkrampf
  • Gefäßverschluss durch z.B. Blutpfropf
  • Gefäßverschluss am Bein durch Blutpfropf
  • Gefäßverschluss durch Blutpfropfen
  • Gefäßverschluss in der Lunge durch Blutgerinnsel
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Veränderte Leberenzyme
  • Fettleber
  • Haarausfall mit Glatzenbildung
  • Überempfindlichkeit
  • Spontan auftretende (Schleim-) Haut-Schwellung
  • Muskelschmerzen
  • Juckreiz an Schamlippen und Scheide
  • Myom
  • Neubildung der Gebärmutterschleimhaut
  • Gesteigertes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut
  • Gutartige Ausstülpungen der Gebärmutterschleimhaut
  • Endometriose
  • Verminderte Zahl an weißen Blutkörperchen
  • Verminderte Zahl an Blutplättchen
  • Hyperkalzämie infolge Knochenmetastasen
  • Schlaganfall
  • Erkrankung der Lungenbläschen und Gewebe
  • Leberzirrhose
  • Endometriumkarzinom

Ihr seht, da sind ganz schöne „Knaller“ dabei (Krebs, Embolien, grauer Star, etc). Das möchte man alles nicht haben. Das Risiko dafür ist nun aber erhöht – und damit mit muss man umgehen. Man hört automatisch öfter in sich hinein, wird schneller unruhig, wenn etwas ist und muss doch die meiste Zeit das Thema verdrängen.

Jetzt noch die Nebenwirkungen des GnRH Analogons, Das ich bekomme:

  • Stimmungsschwankungen
  • Depression
  • Kopfschmerz
  • Hitzewallungen
  • Schmierblutungen
  • Veränderung/Abnahme der Libido
  • Trockene Scheide, Größenab- oder -zunahme der Brust
  • Schwitzen
  • Erhöhter Appetit
  • Appetitverminderung
  • Lymphödem
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Juckreiz
  • Veränderung der Kopf- oder Körperbehaarung (Abnahme/Zunahme)
  • Akne
  • Trockene Haut
  • Rückenschmerz
  • Muskelschwäche
  • Scheidenentzündung
  • Ausfluss
  • Wassereinlagerungen
  • Müdigkeit
  • Benommenheit
  • Rötungen oder Lokalreaktionen an der Einstichstelle, die sich in der Regel auch bei fortgesetzter Behandlung zurückbilden
  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Migräneartige Kopfschmerzen
  • Gedächtnisstörungen
  • Missempfindungen/Taubheitsgefühl
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Herzklopfen
  • Kreislaufschwäche
  • Atembeschwerden
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Bauchbeschwerden
  • Flatulenz/Blähungen
  • Schwächegefühl oder Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Gewichtszu- oder -abnahme
  • Allgemein allergische Reaktionen
  • Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen

Im Vergleich zum Tamoxifen ist das noch vergleichsweise harmlos.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass auch andere Mittel, die viele Menschen nehmen müssen, wie bspw. Blutverdünner oder Blutdrucksenker eine lange Liste an Nebenwirkungen haben und dass mit zunehmendem Alter alle mal so etwas nehmen müssen. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass diese Mittel der Anti-Hormontherapie in meinem Fall z.B. mit 39 ins Repertoire kamen und der Rest irgendwann noch einmal on top kommt.

Natürlich weiß ich auch, dass es toll ist, dass es überhaupt Medikamente gibt, die das Risiko senken. Ich bin da auch wirklich dankbar für und mir darüber im Klaren, dass ich als Frau in der Dritten Welt schon gar nicht mehr leben würde. Es soll hier auch kein Jammer-Beitrag oder der Eindruck dessen entstehen und ich möchte um Himmels Willen auch keine Frau mit Brustkrebs irgendwie verschrecken (!! nehmt das Zeug !!). Ein Pausieren der Therapie habe ich selbst auch schon einmal abgelehnt, wohlwissend, dass sie mich sicher am Leben hält.

Ich möchte lediglich Verständnis für ein gewisses Maß an Unbehagen oder Panik bei möglichen Krankheitsanzeichen aus der langen Liste bei Patientinnen in Anti-Hormontherapie. Immerhin hat der Körper schon einmal versagt und wird nun obendrein derartig gefordert – da ist das Vertrauen einfach weg.

An alle in der Therapie: haltet durch.

An alle Angehörigen und Freunde von Patientinnen: seid nachsichtig – es ist nicht so simpel, wie es aussieht.

Werbung

2 Gedanken zu “Nebenwirkungen der Anti-Hormontherapie

  1. Man sollte sich halt im Klaren sein, dass eine Anti-Hormon-Therapie stark in die Regelkreisläufe des Körpers eingreift und dadurch das Gleichgewicht im Körper aus den Fugen geraten kann – wie festgestellt mit einer langen Liste potentieller unangenehmer Effekte.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s