„Unterschiede in der Inklusion“ oder „Warum Inklusion für seelisch behinderte Menschen nicht stattfindet“

Bei Körperbehinderungen werden die Barrieren allerorten gesenkt, ganz

praktisch durch Dinge wie beispielsweise

  • Rampen,
  • Fahrstühle,
  • breite Türen,
  • Ampeln die piepen,
  • geriffelte Gehwegmarkierungen,
  • Spezielle Parkplätze,
  • erhöhte Bussteige und sich neigende Busse,
  • ebenerdige Duschen,
  • spezielle Angebote in Sportvereinen,
  • spezielle Fahrdienste,
  • etc.

Bei Ärzten und Einrichtungen aller Art werden die Einschränkungen der Menschen mit Körperbehinderungen mutmaßlich entsprechend berücksichtigt.

Leider ist der „barrierefrei“- und Inklusionsgedanke dort meistens auch schon wieder zuende.

Die Schulkarriere meines Stiefsohns hat auch mehr als deutlich gemacht, dass Inklusion gerne gemacht wird – solange es „nur eine Rampe bereitstellen“ bedeutet. Müssen Verhaltensweisen und Prozesse geändert werden, hört Inklusion meist auf. Seelische Behinderungen sind einfach nicht vorgesehen.

Auch ich stoße gelegentlich auf Unverständnis, wenn ich z.B. darum bitte, dass ich begleitet werden darf, z.B. bei Ärzten o.ä. – selbst wenn ich es erkläre.

Wo sind unsere „Rampen“? Warum heißt Inklusion für seelisch behinderte Menschen, dass sie sich anpassen müssen, während sich bei Körperbehinderungen der Rest anpasst?

Niemand würde von einem Rollstuhlfahrer erwarten, dass er zumindest ein paar Stufen zu gehen versucht. Von Autisten und anderen seelisch behinderten Menschen wird allerdings erwartet, dass sie sich „zusammenreißen und mitmachen“. Als wäre das so einfach! Es ist eben das Wesen dieser Art von Behinderung, dass dies eben genau nicht möglich ist.

Habt ihr in einer Praxis oder Behörde schon einmal ein Schild gesehen, wo der Eingang für Gehbehinderte ist? Ich sehe das des Öfteren.

Habt ihr schon einmal ein Schild gesehen, dass es einen Online-Terminservice für Menschen mit sozialen Schwierigkeiten gibt, oder spezielle reizarme Wartebereiche? Ich noch nicht.

Und warum? Weil es zu wenig Aufklärung gibt. Weil es erfordert, dass man sich in derartige Probleme hineinversetzt. Weil man nicht nur gucken, sondern denken muss, um eine Hürde zu erkennen. Weil man noch mehr überlegen muss, wie man die Hürde umschiffen kann. Und weil das alles ja nicht lohnt – sollen sie sich einfach zusammenreißen oder eben Zuhause bleiben.

Für alle, die sich im letzten Absatz wiederfinden: Das ist extrem unfair! Danke für nichts!

Noch einmal zum Schluss: Ich möchte mit dem Beitrag nicht darauf hinaus, dass es Menschen mit Körperbehinderungen einfacher haben oder dass Inklusion und Barriereabbau in diesem Bereich schon abgeschlossen ist. Mitnichten!

Ich möchte damit nur verdeutlichen, dass Inklusion und Barriereabbau bei seelischen Behinderungen noch nicht einmal angefangen hat.

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2 Gedanken zu “„Unterschiede in der Inklusion“ oder „Warum Inklusion für seelisch behinderte Menschen nicht stattfindet“

  1. Ich war 2 Jahre als Schulhelferin tätig, von wirklicher Inklusion keine Spur! !ch habe den Job geschmissen, es war ein Kampf gegen Windmühlen(Lehrer, Erzieher etc.) Ich hatte immer den Eindruck, keiner nimmt das ernst! Und nun wurden auch der Förderbedarf für Emsoz gestrichen, …ich kann diese Art von „Inklusion“ auch nicht nachvollziehen!Wo bleiben da die Menschen!?

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    • Ich verstehe es auch nicht. Es ist denen wohl zuviel Aufwand, scheint mir immer. Und die Betroffenen werden ja auch seltenst nach der Sinnhaftigkeit gefragt, wenn es um die Schaffung neuer Regelungen geht. Dann kommt sowas bei raus.

      Warum fragt man nicht mal inzwischen Erwachsene ADHSler, Autisten etc, bevor man irgendwas beschließt.

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