Krebstherapie – nicht alles wird so heiß gegessen…

Ich weiß nicht, ob das eine spezielle Aspie-Macke ist, oder „typisch Frau“ oder auch ganz normal, aber gerade während der Akuttherapie der Krebserkrankung habe ich mir über viele Dinge einen Kopf gemacht.

Ähnliches habe ich bei Mitpatientinnen bemerkt – was die Aspie-Macke wieder etwas unwahrscheinlicher macht.

Ärzte scheinen da manchmal deutlich entspannter zu sein, zumindest war dies bei mir so. Eventuell ist es auch bei den Ärzten eine Frage der Routine und Erfahrung, sodass bei jüngeren Ärzten womöglich eher das Gegenteil der Fall ist. Außer bei einem jüngeren Arzt in der Radiologie, der super unsicher war beim Spritzen des radioaktiven Mittels in die Brust im Vorfeld der OP und deshalb einen „Anschiss“ der Schwester bekam, hatte ich aber mit Berufsanfängern nichts zu tun.

Ein paar Beispiele für die Entspanntheit der Ärzte:

  • Beim Thema „Infektionsgefahr bei sinkender Leukozytenzahl“ war ich deutlich vorsichtiger, als unsere Chemo-Schwester und die Ärztin für sinnvoll erachteten. Da war erst so ab 1000- 1500 Leukos Handlungsbedarf, während ich aufgrund der Recherchen schon ab 2000 unruhig war und bei allem unter 4000 vorsichtig. Allerdings hatte ich auch wirklich keinen Infekt in der ganzen Zeit😊
  • Als aufgrund der Schmerzen in meinem Port-Arm das Thema Thrombose bzw. der Verdacht auf Thrombose aufkam, waren auch die Ärzte im Krankenhaus immer noch gelassen, im Gegensatz zu mir. „Dann nehmen Sie halt Blutverdünner, machen die Chemo zuende und dann gucken wir Mal.“ Zum Glück war es ja keine Thrombose…
  • Bei der Flüssigkeitsansammlung im OP-Gebiet einige Zeit nach dem Ziehen der Drainage noch wurde ich auch unruhig. Es ist ja nun auch wirklich seltsam, wenn es da schwappt und blubbert und man die Flüssigkeit schieben kann. Die Ärzte waren auch da ruhig: „Das baut der Körper schon irgendwann ab. Und wenn es zu viel ist, punktieren wir halt.“
  • Generell waren zumindest die Gynäkologen was die Versorgung mit einem Implantat angeht sehr entspannt. Für meinen Geschmack zu entspannt! Immerhin baut man einen Fremdkörper ein, der sich verkapseln kann und der irgendwann Folge-OPs nach sich ziehen wird zwecks Austausch. Bei einer Gliedmaße – gut, da möchte man eine Funktion herstellen, z.B. mittels künstlichem Gelenk. Aber bei einer Brust? Das ist nur Optik!
  • Insbesondere was die „Patientenpanik“ hinsichtlich Überlebensraten usw. angeht, sind gute Ärzte nicht nur auf einem aktuelleren Stand, als die Studien, die zu den veröffentlichten Daten gehören, sie haben auch persönliche Erfahrungswerte und wissen, wie lange es dauert, bis eine Studie ausgewertet und veröffentlicht ist. Die Realität, die diese Studien widerspiegeln, ist eine vergangene Realität, die mit aktuellen Behandlungen zumeist kaum noch etwas zu tun hat. Die zu erwartende dauerhafte Heilungschance liegt daher bei den Ärzten deutlich höher, als das was man sich selbst ergoogelt hat.
  • Überrascht war ich nach der Diagnose, dass ich, wenn ich gewollt hätte, auch zuerst noch in den Urlaub hätte fahren können und die OP noch 2 weitere Wochen hätte aufschieben können. Es war ja lt. Biopsie „nur“ ein G2-Tumor, also nicht ganz so stark entartet und mit einer eher langsameren Wachstumsrate. Lt. Arzt hätte man da auch noch 2-3 Wochen länger warten können. Im Nachhinein war ich froh, dass ich das unliebsame „Schalentier“ so schnell wie möglich loswerden wollte, denn es war ja doch recht aggressiv und zügig wachsend unterwegs…

Es gab auch manchmal widersprüchliche Angaben und Einstellungen zwischen Ärzten bzw dem medizinischen Fachpersonal:

  • Bei der Anlage des Ports wird den Patienten – so auch mir – eindringlich gesagt, dass dieser nur zum Einbringen von Flüssigkeiten, also „Tropf“, genutzt werden soll und auf keinen Fall zum Blutabnehmen. Der Port könne dann verstopfen. In der Praxis wird aber sehr wohl Blut daraus angenommen, nur wird hinterher mit der Chemo selber oder mit Kochsalzlösung nachgespült. Wenn man sich allerdings zunächst wehrt, weil man ja unbedingt darauf achten soll lt. Krankenhaus, erntet man Unverständnis. Da steht dann Aussage gegen Aussage. Erst nach einigen Wochen habe ich mir erklären lassen, wieso das eben doch geht, wenn hinterher etwas durchläuft und habe mir das Leben dadurch erleichtern lassen.
  • Bei der Bestrahlung bekommt man unterschiedliche Aussagen zum Thema Duschen und Schwitzen mit Markierungen auf der Haut – dies allerdings nicht bei der eigenen Radiologie, sondern zwischen den unterschiedlichen Radiologien gibt es unterschiedliche Vorgaben und Handhabungen. Wenn man sich also unter Ex-Chemo-Patienten austauscht, die an unterschiedlichen Kliniken die Bestrahlung absolvieren, kommt es da schon mal zu Verwirrungen.
  • Das Gleiche kommt vor beim Thema Creme oder Puder auf bestrahlter Haut.
  • Und es gibt immer noch Ärzte, die Vorbehalte haben was Sport während der Therapie angeht. Gut informierte Ärzte sind da zum Glück weniger vorsichtig und unterstützen sportliche Vorhaben und körperliche Betätigung, wie es inzwischen ja auch State of The Art ist. Auch da bekommt man also gelegentlich unterschiedliche Aussagen von verschiedenen Ärzten.
  • Auch passiert: Bestimmte Chemomittel führen zu stärkeren Reaktionen mit Sonnenlicht, sodass dies zu meiden ist. Einer meiner Ärzte, nicht so viel im onkologischen Sektor unterwegs, war aber der Ansicht, dass Sonne ja gut sei, weil der Vitamin D Spiegel gesteigert wird, was hilfreich sei. Da muss man schon etwas aufpassen…

Ich kann insgesamt nur empfehlen, zwar nicht zu viel zu googlen, weil man sich nur unnötig kirre macht, aber bei unterschiedlichen Aussagen sehr wohl, um wieder Sicherheit zu erlangen und sich nicht aus dem Bauch heraus für eine ärztliche Aussage entscheiden zu müssen. Oder – noch besser – den Arzt direkt darauf ansprechen, dass Arzt XY eine andere Aussage getätigt hat und woran das liegen könnte. Für gewöhnlich sind Ärzte gerade bei Krebspatienten gerne bereit, diese vernünftig aufzuklären und alle Fragen zu beantworten.

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