Aspie goes Reha

Während der Bestrahlungszeit galt es, die AHB (Anschlussheilbehandlung) zu beantragen bzw sich darüber im Vorfeld Gedanken zu machen.

Als Aspie macht sowas wie Reha Angst. Wieder ein Haufen neuer Leute, neue Abläufe, neues Gebäude, neuer Ort/Umgebung – das per Definition an sich erstmal alleine. Weiterhin denkt man erstmal an viele ältere bis alte Leute. Ich habe daher wieder einmal Tante Google befragt und nach Rehakliniken gesucht, die Programme für jüngere Menschen haben und wo Begleitpersonen mit im Zimmer übernachten können. Es gab da recht viele Kliniken, auf die das zugetroffen hätte. Da mein Mann als Begleitung natürlich nicht die kompletten 3 Wochen, sondern nur den ersten Tag/erste Nacht plus die Wochenenden und – da im Mai – Feiertage mit Brückentage da sein konnte, war die Entfernung auch von Bedeutung. Für den Notfall ist es auch gut, dass ich weiß, dass ich z.B. innerhalb 1 Stunde Zuhause sein könnte mit dem Auto.

Die Wahl fiel auf meinen Geburtsort (wo ich tatsächlich nur geboren wurde und ab dem Alter von 1 Woche dann gute 10-12 km entfernt aufwuchs). Mein Opa lebt dort (erstaunlicher Weise auch jetzt noch) in einem Pflegeheim, ich habe in der Nähe Verwandtschaft und Freunde von früher plus man ist innerhalb von 60-70min Zuhause. Nachdem der Brief von der Klinik kam, musste ich zunächst noch einmal 1 Woche schieben, da ich mit der bestrahlten Haut noch nicht ins Chlorwasser sollte. Im Nachhinein hätte ich mir das schenken können, da ich 2 von 3 Wochen wegen meiner blöden Portnarbe ohnehin nicht ins Schwimmbecken konnte. Beim Telefonat erwähnte ich, dass ich Autistin bin und mein Mann schlussendlich knapp die Hälfte der Zeit mit da sein würde und ob ich bitte ein Doppelzimmer bekommen kann. Es hieß, wenn genug da sind, wäre das kein Problem. Nun – es waren genug da. Wenn nicht, hätte er irgendwo im Haus ein Einzelzimmer bekommen – das wäre zur Not auch gegangen.

Wir sind dann mit 2 Autos gefahren – ich wollte eins vor Ort haben, denn der ÖPNV dort ist gruselig. Die Klinik ist toll, allerdings an warmen Tagen, wie wir sie in der Zeit viel hatten etwas arg kuschelig. Auch hier wieder: alles nette Leute im Personal, wie schon zuvor während der ganzen Therapien. Der Arzt war neu und nicht ganz so gut organisiert. Er ging mit mir dann das ganze Angebot durch und ich habe – motiviert wie ich war und gut, wie ich mich fühlte – immer ja gesagt. Dementsprechend sah dann auch mein Behandlungsplan aus.

In der Praxis stellte sich jedoch nach 1-1,5 Wochen heraus, dass das eindeutig zu viel war. Ich wurde müder und müder und war für viele Angebote schlicht nicht fit genug, z.B. für Zirkeltraining oder Joggen. So ließ ich das Programm nach und nach kürzen. Ich lernte neue Sachen kennen, wie Tai Chi und Yoga, probierte Walken aus und lernte meine neuen Grenzen kennen. Auch die Lymph-Expertin der Klinik war klasse. Zum Einen hat sie ein super „Seminar“ zu dem Thema gemacht, auf dem selbst ich als Autodidakt und „ich weiß alles schon“-Klugscheißer noch was lernen konnte, zum anderen hat sie mit einem einzigen Blick auf meinen Arm gesehen, dass ich einen Armstrumpf brauche. Einen Handschuh hatte ich bereits seit Ende Februar, da Finger und Hand seit ca. dem Jahreswechsel dick waren. Der Arm hielt sich zunächst vornehm zurück, aber ab Ende April war es eben warm und dann ging das Lymphödem auch da los.

Insgesamt zeigte sich aber auch in der Reha wieder, dass ich nirgends Anschluss finde. Es zeigte sich das mir bekannte Bild: Überall fanden sich Grüppchen zusammen und nirgends war ich dabei, weil ich nirgends richtig hinpasste. Andererseits brauchte ich auch meine Ruhe auf dem Zimmer am Abend oder Nachmittag. Lautstärke, andere Menschen, Helligkeit, Wärme usw – das ist wie Familienfeiern für mich und ich ermüde sehr schnell bzw. nähere mich einem Overload. Ein paar Mal bekam ich Besuch: Freunde meiner Eltern von früher, meine Eltern selbst, meine Cousine und mein Mann ja ohnehin. Darüber hinaus war ich einige Male unterwegs, selbst der Besuch zu sein: meine eine Tante, schon recht alt, kannte meinen Mann noch nicht, meine Tagesmutter von früher und ihr Mann auch nicht. Am Pokalendspiel hatten wir uns bei meinem Onkel und Familie eingeladen – altersmäßig ziemlich dicht an uns dran. Einen weiteren Besuch unternahm ich mal unter der Woche am Nachmittag. Und zum Opa ging es natürlich wenigstens 2* pro Woche.

Trotzdem wollte ich partout keine Verlängerung, die ich hätte bekommen können. Es war mal eine nette Erfahrung, aber für mich als Aspie vielleicht doch nicht so das Richtige…

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