Brustkrebs – die Diagnose

Im Jahr 2016 stand ich eines schönen Tages morgens unter der Dusche. Ich meine es war an einem Dienstag.

Ich hatte bereits in der Woche zuvor beim einseifen einen Knubbel an der rechten Brust bemerkt, schob dies aber auf die bevorstehenden „Tage“. Die linke Brust machte nämlich bereits seit einigen Jahren immer mal wieder Ärger mit kleinen Zysten, die zyklusabhängig auftraten und nach Einsetzen der Tage wieder verschwanden. An besagtem Dienstag also, fiel sie mir erneut auf. Zyklusbedingt hätte sie sich inzwischen verflüchtigt haben müssen, sodass sie sofort ins Bewusstsein schoss. Da ist etwas, das da nicht zu sein hat. Ich rief meinen Freund nach dem Duschen ins Bad. „Fühl mal, merkst du da auch diesen Knubbel?“ „Ja, da ist was.“ Okay, also folgte der Griff zum Telefon, um einen Termin beim Gynäkologen zu bekommen. Dies klappte sehr schnell.

3 Stunden später hörte sich der Gyn alles an, bat mich ins Nachbarzimmer zum Ultraschall. Mein Freund wartete draußen im Vorraum. Der Gynäkologe schallte, guckte, stutzte, bewegte immer wieder den Schallkopf, guckte ernster. „Wie alt sind Sie nochmal?“ „38“ Stirnrunzeln. Er ging nach nebenan, während ich mich entglibberte. „Ich würde Sie gerne zur Mammografie schicken, sind Sie zeitlich flexibel?“ „Wenn es um meine Gesundheit geht – selbstverständlich!“

Er griff zum Hörer, während ich meinem Freund mit einem Daumen runter und heranwinken dazuholte. Ich hörte vom Arzt die Worte, die ich noch öfter hören sollte. „Ich habe hier eine Patientin, die braucht dringend eine Mammografie. Jung!“

2 Tage später war ich also zur Mammografie in einer radiologischen Praxis. Das Ergebnis bekommt man dort gleich im Anschluss. Mein Freund und ich warteten angespannt. Der Arzt war auch wieder super nett. „Also da ist was, aber was genau – keine Ahnung, das kann alles sein. Ich würde Sie zur Biopsie schicken, aber besprechen Sie das mit Ihrem Gynäkologen. Ausschließen kann ich zumindest nichts…“

Von Gewissheit waren wir weiterhin weit entfernt. Ich war nervlich inzwischen ziemlich runter. Bei der Arbeit war ich mehr mit Internetrecherche über „was könnte es noch sein“ beschäftigt, als mit den eigentlichen Themen. Diese Ungewissheit macht vermutliche jeden fertig – aber als Autist will man immer ganz genau einen Plan haben. Ich gehe im Kopf immer genau durch, was als nächstes ansteht, wie genau es abläuft, was die unterschiedlichen Reaktionsmöglichkeiten sein könnten. Ich spiele quasi einen Film bereits vorher in meinem Kopf ab. Diese Ungewissheit ist da überhaupt nicht hilfreich, weil 1000 verschiedene Szenarien im Kopf Platz haben möchten.

Am Nachmittag des Mammografie-Termins waren wir wieder beim Gynäkologen. Dort ließ ich mich krank schreiben, weil den Rechner anstarren nicht zielführend ist. Er hatte vollstes Verständnis. „Sie müssen sich nicht rechtfertigen, es ist alles okay.“ Er schrieb mir pflanzliche Beruhigungsmittel auf und besorgte mir persönlich einen Termin zur Stanzbiopsie. Ich hatte die Wahl zwischen 3 Brustzentren in der Nähe. Da ich mich gut beraten fühlte bei meinem Gynäkologen sagte ich „Was meinen Sie?“ und wir entschieden uns für das nächstgelegene, wo er außerdem meinte, dass er da schneller einen Termin für mich bekommt. Wieder fiel der Satz mit dem „jung“.

Nun hieß es, 5 Tage die Füße still zu halten. 5 Tage mit Recherche. 5 Tage niemandem was erzählen (mein Freund wusste ja bescheid, er war ja immer mit), um niemanden in Unruhe zu versetzen.

Da ich auch sensorisch überempfindlich bin und ein hohes Schmerzempfinden habe, war die Aussicht auf die Stanzbiopsie natürlich weniger toll. Auch hierzu habe ich das Internet wieder bemüht. Schlussendlich habe ich mich am Dienstag mit einer vollständig mit einer betäubenden Creme bedeckten und mit Frischhaltefolie versehenen Brust auf den Weg ins Klinikum gemacht.

Im Brustzentrum hieß es wieder „warten“. Es war der Beginn der Übung „geduldiges Warten im Wartezimmer“. Ich landete beim Chefarzt – ein sehr netter, einfühlsamer Mensch. Mein Freund war dabei. Gerade in neuen Räumlichkeiten mit neuen Personen brauche ich Begleitung, alleine kann es sein, dass ich umdrehe, anfange zu heulen, oder oder…

Der Arzt machte nochmal ein Ultraschall, um zu sehen, wohin er stanzen muss. Ich fragte ihn, was er angesichts seiner Erfahrung denn meint, was es sei und er antwortete „Wenn wir schon so offen darüber reden – ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn das noch etwas Gutes ist…“ Ich meinte „OK, dann hat das Kind ja nun wenigstens einen Namen.“ Die Stanzbiopsie war nicht angenehm, aber aufgrund der Creme-Betäubung merkte ich die „echte“ Betäubung nicht so. Das einschießen der Stanze drückte etwas und man erschrickt jeweils vom Geräusch. Das rausziehen ziept trotz Betäubung etwas. Es sind mehrere Entnahmen und damit mehrere Einschüsse notwendig, bei mir waren es 3 oder 4. Dann war auch dieser Teil beendet. Wir besprachen, dass ich das Ergebnis telefonisch bekommen möchte. Es stand ja quasi ohnehin schon zu 90% fest, dass es Krebs ist. Er war sich sehr sehr sicher.

Da ich mich bereits eine Woche lang damit beschäftigt hatte und am Wochenende mir sicher war, dass es Krebs ist, hatte ich für mich im Kopf bereits den gedanklichen Vorsprung, alles zuende gedacht. Ich heulte bereits vorher, machte mir Gedanken um das, was im Fall von Krebs alles kommt. Ich glaube, ich kannte zu dem Zeitpunkt alle Therapieansätze, Abfolgen, Nebenwirkungen, Zeitpläne etc, die es gab zu dem Zeitpunkt. Dementsprechend sachlich und gefasst fiel meine Reaktion aus. Ich glaube, meine Antwort auf den o.g. Satz mit dem „ich müsste mich schon sehr täuschen…“ war lediglich ein „Oh. Das ist ja nicht so schön.“ Von da an ging es in ein sachliches Gespräch über, in dem mir grob die nächsten Schritte erklärt wurden. Aber dafür musste natürlich erstmal das Biopsie- Ergebnis abgewartet werden.

Trotzdem machten wir uns danach am selben Tag auf, alle zu informieren. Chef, Schwiegereltern, Eltern. Gottlob fielen nur wenig Tränen – insbesondere bei meinen Eltern habe ich mir das im Vorfeld meiner „Ankündigung“ erbeten. Ich kann da überhaupt nicht mit umgehen, wenn meine Eltern heulen.

Es begann so eine unerfreuliche Serie, schlechte Nachrichten zu überbringen. Dazu aber später mehr in einem gesonderten Beitrag…

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