Autismus – die Diagnose

Die Diagnose des Autismus war zweigeteilt.

Als erstes war ich mit meinem Kollegen – ihr erinnert euch, der mit dem Sohn,

der auch Aspie ist – im hiesigen Autismuszentrum. Die Leiterin kannte sich auch mit Erwachsenen aus. Es war ein nettes Gespräch und sie hatte eine Art Fragebogen – vielleicht auch nur eine Fragensammlung für sich selbst als Gedankenstütze. Nach ein bisschen quizzen meinte sie, dass das alles sehr zum Autismusspektrum passe würde und empfahl mir die Diagnostik in der Autismusambulanz in der nächsten größeren Stadt. Zwischen unserem Gespräch und dem Termin dort vergingen 8-10 Wochen. In dieser Zeit wurde ich aber bereits vom Autismuszentrum betreut.

Insgesamt ein Jahr lang war ich 1* pro Woche dort zum Gespräch. Ich habe mich, meinen Autismus und die Sicht- und Denkweisen vermeintlich normaler Menschen besser kennen gelernt.

Mit meinen Eltern und auch meiner restlichen Familie und den Freunden habe ich bereits nach diesem ersten Termin gesprochen, zumal ich meine Mutter mit zur Diagnose bringen sollte. Genau genommen eine Person, die mich bereits als Kind gut kannte und sich noch daran erinnert.

Die Aufnahme der Nachricht war unterschiedlich. Meine Eltern sagten sofort „ja, das passt absolut ins Bild“. Andere kamen eher mit einem „Naja, meinst du? Du bist doch gar nicht SO anders… Ich habe auch manchmal Schwierigkeiten bei…“ um die Ecke.

Es folgte dann irgendwann der Termin in besagter Autismusambulanz. Die Diagnostik bei Erwachsenen ist glaube ich gar nicht sooo anders, als die von Kindern. Es war zunächst ein Gespräch mit mir und meiner Mutter, wie ich darauf käme. Dann gab es Aufgaben für mich. Geschichten erfinden aus Gegenständen, Bildergeschichten weitererzählen, diverses anderes (ich erinnere mich leider nicht mehr ganz genau). Es gab ein Interview, wie diese und jene Situation beurteilt wird, um herauszufinden, wo genau ich Schwierigkeiten habe und das spannendste dann, die Fragen, die sich auf mich im Alter von ca. 5 Jahren bezogen. Hier war natürlich hauptsächlich meine Mutter gefragt.

4-6 Wochen später war der Termin zur Ergebnis Verkündung, sozusagen. Ich war offiziell Autist. Eine dahingehende Andeutung gab es aber bereits beim Verabschieden am Diagnosetag.

In der Zeit vom ersten Gespräch im Autismus-Zentrum bis zur Ergebnisverkündung wurde ich zunehmend ruhiger, las viel über Autismus und war beim Ergebnis sogar ein bisschen stolz.

Ich wusste nun, warum ich Schwierigkeiten hatte bzw lernte langsam dazu. Ich konnte nach und nach bereits vorher ahnen, was für ein Problem auf mich zukommt und überlegen, wie man es umschiffen kann. Es war eine spannende und lehrreiche Zeit, für die ich sehr dankbar bin.

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